Produktratgeber
Persönliche Schutzausrüstung: Gesamtüberblick PSA und EN-Normen
Persönliche Schutzausrüstung (PSA, englisch PPE) ist der Sammelbegriff für alle Ausrüstung, die Arbeitnehmer vor Risiken schützt, die nicht durch technische Lösungen eliminiert werden können. Auf modernen DACH-Baustellen ist PSA kein Nachgedanke, sondern integraler Teil der Planung. Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Gehörschutz, Schutzbrillen, Helm, Atemschutz und Absturzsicherung sind unter spezifischen Bedingungen jeweils Pflicht.
Wir geben Ihnen Gesamtüberblick über die acht Hauptkategorien PSA, was PSA-Kategorie I, II und III für die Zertifizierung bedeuten, welche EN-Normen für jeden Bereich gelten, und eine konkrete Einkaufscheckliste.
PSA Überblick
Die acht Hauptkategorien persönlicher Schutzausrüstung
PSA deckt jede Körperregion ab. Hier ein Überblick mit den häufigsten Produkten je Kategorie. Klicken Sie auf Links zu eigenen Ratgebern für weitere Details.
Fußschutz
Sicherheitsschuhe und -stiefel mit Zehenkappe und Durchtrittsschutz. Klassifiziert nach EN ISO 20345 in Klassen S1 bis S5.
Handschutz
Arbeitshandschuhe gegen mechanische, chemische, thermische und elektrische Risiken. Markiert nach EN 388, EN 374, EN 407 und EN 511.
Gehörschutz
Gehörschutzkapseln (passiv und aktiv) und Stöpsel. Klassifiziert nach EN 352 mit SNR-Dämpfungswert in dB.
Augenschutz
Schutzbrillen, Goggles und Visier gegen Stoß, Spritzer und UV. Klassifiziert nach EN 166 mit Stoßklassen F, B und A.
Kopfschutz
Sicherheitshelme gegen fallende Gegenstände. Klassifiziert nach EN 397 (Industrie) und EN 12492 (Klettern und Höhenarbeit).
Atemschutz
Filtermasken (FFP1, FFP2, FFP3 nach EN 149) und Halbmasken mit wechselbaren Filtern. Wichtig bei Staub, Partikeln und Chemiedämpfen.
Körperschutz
Arbeitskleidung mit Sichtbarkeit (EN ISO 20471), Chemieschutz, Warnschutz und Spezialanzüge. Inklusive Schweißerschürzen und Arc-Flash-Anzüge.
Absturzsicherung
Komplettgurte (EN 361), Verbindungsmittel (EN 354) und Höhensicherungsgeräte (EN 360). Pflicht bei Arbeit über 2 m ohne festes Geländer.
PSA-Kategorien
PSA Kategorie I, II und III: Unterschied?
Verordnung (EU) 2016/425 teilt PSA in drei Kategorien nach Risikoschwere. Höhere Kategorie bedeutet strengere Zertifizierung und häufigere Tests.
| Kategorie | Risiko | Beispiele | Zertifizierung |
|---|---|---|---|
| Kategorie I | Minimales Risiko | Gartenhandschuhe, Sonnenbrillen, Regenkleidung | Eigenerklärung des Herstellers |
| Kategorie II | Mittleres Risiko | Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen, normale Arbeitshandschuhe | EU-Baumusterprüfung bei benannter Stelle |
| Kategorie III | Schweres Risiko, irreversibler Schaden oder Tod | Absturzsicherung, Chemieanzüge, FFP3, Gehörschutz | EU-Baumusterprüfung + jährliche Qualitätsüberwachung |
EN-Normen
Überblick der wichtigsten EN-Normen
Jede PSA-Kategorie hat eigene EN-Normen mit Testverfahren und Anforderungen. Hier die meistgenutzten Normen in DACH-Bauwesen und Industrie.
| Norm | Bereich | Zweck |
|---|---|---|
| EN ISO 20345 | Sicherheitsschuhe | Zehenkappe 200J, antistatisch, Durchtrittsschutz, Wasserabweisung |
| EN 388 | Mechanische Handschuhe | Abrieb, Schnitt, Riss, Durchstich, ISO-Schnittniveau A-F |
| EN 374 | Chemiehandschuhe | Schutz gegen Chemikalien und Mikroorganismen |
| EN 166 | Schutzbrillen | Stoßklassen F, B, A; Anti-Beschlag, Anti-Kratz, UV |
| EN 352 | Gehörschutz | SNR-Dämpfung, aktive Funktionen, Helmmontage |
| EN 397 | Sicherheitshelme | Stoß durch fallende Gegenstände, Durchdringung, Isolation |
| EN 149 | Atemschutz | FFP1 (80%), FFP2 (94%), FFP3 (99%) Filtereffizienz |
| EN ISO 20471 | Sichtbare Arbeitskleidung | Klasse 1, 2, 3 nach Fluoreszenz- und Reflexfläche |
| EN 361 | Auffanggurte | Komplettgurt zum Auffangen aus Höhe |
Checkliste
Einkaufscheckliste für PSA
Nutzen Sie diese Checkliste beim PSA-Einkauf für ein Unternehmen oder Großauftrag.
CE-Kennzeichnung und EN-Norm prüfen
Alle PSA-Produkte in der EU müssen CE-zertifiziert sein und auf relevante EN-Norm verweisen. Auf Produkt selbst, nicht nur auf Verpackung prüfen.
Kategorie an Risiko anpassen
Kategorie III ist obligatorisch bei lebensbedrohlichen Risiken. Nicht Kategorie I wählen, wo II oder III gefordert; das ist illegal und verantwortungslos.
Vor Großeinkauf testen
1-2 Stück eines neuen Produkts kaufen und 1-2 Wochen testen lassen. Komfort und Verschleiß lassen sich nicht aus Datenblatt beurteilen.
Wartung und Austausch planen
Austauschplan nach Herstellerangaben. Sicherheitsschuhe 6-12 Monate, Gehörschutzpolster 6-12 Monate, Helme 5 Jahre, Auffanggurte 5 Jahre oder nach Belastung.
FAQ
Fragen und Antworten zu PSA
Kategorie I deckt minimales Risiko und kann durch Eigenerklärung zertifiziert werden. Kategorie II deckt mittleres Risiko und braucht EU-Baumusterprüfung. Kategorie III deckt schweres oder lebensbedrohliches Risiko und braucht beides plus jährliche Überwachung.
Arbeitgeber trägt vollständige Verantwortung nach Arbeitsschutzgesetz. Korrekte PSA kostenlos bereitstellen, in korrekter Nutzung schulen, Nutzung sicherstellen, bei Verschleiß ersetzen. Als Arbeitnehmer Pflicht zur Nutzung, Recht auf Verweigerung bei unzureichendem Schutz.
Variiert je Produkttyp. Sicherheitsschuhe 6-12 Monate täglicher Nutzung. Helme nach Schlag oder maximal 5 Jahre. Absturzsicherung nach Belastung oder maximal 5 Jahre. Filtermasken nach Sättigung (typisch 8-40 Stunden).
Ja, alle persönliche Schutzausrüstung in der EU verkauft und genutzt muss CE-zertifiziert nach Verordnung (EU) 2016/425 sein. CE-Marke sichtbar auf Produkt mit relevanter EN-Normnummer. Vorsicht bei billigen Importen ohne CE-Marke; illegal und oft wirkungslos.
Ja, sofern jedes Produkt CE-zertifiziert und nach relevanter EN-Norm. Achten Sie auf Kompatibilität: Helm und Gehörschutz vom gleichen Hersteller passen oft besser zusammen. Besonders bei kombinierten Systemen wie Helm mit integriertem Visier und Gehörschutz prüfen.
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